Die Zukunft des deutschen Davis-Cup-Teams

An Erfahrung und Tradition kann es nicht liegen, dass das deutsche Davis-Cup-Team nicht mehr die Klasse erreicht, die es Mitte der achtziger Jahre hatte. Immerhin sind die Deutschen schon seit 1913 in diesem Wettbewerb vertreten und hatten mit Gottfried von Cramm einen der erfolgreichsten Spieler überhaupt in diesem Turnier. Cramm gewann in seiner Davis-Cup-Karriere immerhin 82 Spiele.

Das Team der deutschen Mannschaft ist so groß wie nie zuvor: Philipp Kohlschreiber, Alexander Zverev, Mischa Zverev, Jan-Lennard Struff, Cedrik-Marcel Stebe, Tim Pütz und Yannick Hanfmann wollen alle einen Platz in der Top-Mannschaft haben. Das Problem: der beste deutsche Spieler, Philipp Kohlschreiber ist auch der Senior. Er ist bereits seit 2008 dabei und die Frage stellt sich, ob er die jüngeren Spieler noch ausreichend motivieren kann.

Immerhin hat Teamchef Michael Kohlmann den Klassenerhalt geschafft und konnte im September 2017 seinen Vertrag noch einmal um ein Jahr verlängern. Das gilt als klares Statement gegenüber Boris Becker, der wegen seiner zunehmenden Einflussnahme kritisiert worden war. Die Spieler hatten sich hinter Kohlmann gestellt und sich deutlich für ihn und seine Arbeit ausgesprochen.

Der Sieg über Portugal im vergangenen Jahr sicherte eine weitere Saison im Davis-Cup. Wer in 2018 gegen Australien antreten wird, ist noch nicht öffentlich. Große Chancen dürfte Jan-Lennard Struff haben, der ein eindrucksvolles Match gegen Portugal spielte. Er und Tim Pütz sind die neue junge Garde, bei der man hoffen kann, dass sie sich gegen den Oldie Kohlschreiber und auch die Zverev-Brüder durchsetzen können.

Es sollte nicht vergessen werden dass die Blütezeit des deutschen Davis-Cup-Teams 1985 mit einem Debütanten begann: Der junge Boris Becker kam ins Team und verlor das erste Spiel, schaffte dann aber den Einzug ins Finale. Aber es dauerte drei weitere Jahre, bis Becker, Patrik Kühnen und Carl-Uwe Steeb das beste Team aller Zeiten bildeten.

Es bleibt abzuwarten, ob den neuen jungen Spielern eine ebenso große Karriere bevorsteht.