Um den Kaiser ist es ruhig geworden

Er war selbst eine Lichtgestalt im deutschen Fußball. Er wurde als Spieler Weltmeister und mehrfach Deutscher Meister und auch als Teamchef führte der die deutsche Fußball-Nationalmannschaft der Männer zum Sieg. Und er holte die WM wieder nach Deutschland, als Chef des Organisationskomittees.

Doch seit es Gerüchte gab, dass nicht alles mit rechten Dingen in seinen Zeiten als Funktionär zugegangen sei, ist es ruhig um den Kaiser geworden. Einige seiner TV-Verträge als Kommentator hatte er bereits aus Altersgründen aufgegeben – in 2017 ist er 72 Jahre alt geworden. Die 2015 begonnenen Ermittlungen der Finanzbehörden aus Deutschland und den USA sowie der Ethikkommission der FIFA scheinen im zu schaffen machen.

Schon einmal war er abgetaucht, in den 70er Jahren, als die Steuerbehörden Interesse an ihm zeigten. Beckenbauer war aber nicht verschwunden, sondern nur nach Amerika gegangen, um dort seine Karriere fortzusetzen. Hieß es. Hierzu lande wurde er schmerzlich vermisst, die Niederlage 1978 wäre ohne ihn nicht passiert, hatten Reporter geschrieben.

Und er kam zurück, beliebter und noch strahlender. Beckenbauer war immer jemand gewesen, der als der personifizierte gute deutsche Fußballer galt: Angenehme Umgangsformen, Gentleman-Stil beim Spiel, selten polarisierend und wenn dann in der Sache. Die Ermittlungen gegen Uli Hoeneß, so sagten Menschen aus seinem Umfeld, hatte ihm zu schaffen gemacht. So wie er war eigentlich auch der FC Bayern unantastbar gewesen, war immer eine Institution, auf die das ganze Land stolz war.

Wahrscheinlich haben ihm seine Anwälte und Berater dazu geraten, sich zurückzuziehen aus der Öffentlichkeit, bis der Sturm vorbei ist oder die Ermittlungen eingestellt werden. Oder aber bis es zur Anklage kommt und wir dann Bilder sehen müssen, wie der deutsche Fußball-Kaiser vor einem Gerichtsgebäude aus einem Auto steigt.

Für die meisten wäre das, unabhängig davon ob schuldig oder nicht, ein trauriges Ereignis. Beckenbauer war der Held mehrerer Generationen von Fußballfans, und er sollte auch als Held von der Bühne gehen.