Gleichberechtigung am Abzug

Zumindest im Schießsport hat es seit diesem Jahr ein wenig Gleichberechtigung für Frauen gegeben. Beim Internationalen Wettkampf in Garching mussten die Frauen das erste Mal genauso oft schießen wie die Männer. Bislang galt für männliche Schützen, dass sie 60 Mal schießen müssen während dies bei Frauen auf 40 Schüsse beschränkt war. Nun gilt die Zahl von 60 Schüssen für beide Geschlechter.

Das hat bei vielen Organisatoren zwar für Applaus gesorgt, was die Gleichstellung angeht, aber auch zu Kopfschmerzen, was den Ablauf angeht, denn durch die höhere Schusszahl dauert ein Wettkampf bei den Frauen etwa ein Drittel länger.

Bedenken gibt es aber auch, was die Leistungsfähigkeit angeht. Gegner der Regel hatten angeführt, dass mehr Schüsse auch anstrengender seien und befürchtet, dass es für Frauen dann schwieriger wäre. Als Vergleich wird oft der Biathlon angebracht, bei dem Frauen allerdings eine kürzere Strecke laufen.

Viele Frauen hatten sich die neue Regel auch deshalb gewünscht, damit ihre Leistungen besser mit denen der Männer verglichen werden können. Und das hat sich zumindest bei den Luftgewehren schon gelohnt: Dort sind nämlich die deutschen Frauen den Männern bereits überlegen. Julia Simon aus Franken hatte bei der EM-Qualifikation mit 634,1 Ringen einen neuen Rekord aufstellen können.

Es stellt sich auch die Frage, ob es wirkliche eine größere körperliche Belastung ist. Beim knienden Schießen mag dies durchaus der Fall sein, aber auch die Männer haben dieses Problem. Wahrscheinlich werden sich die weiblichen Schützen vor allem auf die größere psychische Belastung einstellen müssen. Denn der Geist wird beim Schießen oftmals schneller müde als der Körper.

Eine andere Frage wird sein, auf welchen Ebenen die neuen Schusszahlen durchgesetzt werden. Zwar ist die Änderung eine neue, verbindliche Regel, es kann aber sein, dass Vereine aus organisatorischen Gründen bei kleineren Turnieren noch das alte Verfahren anwenden werden, zumindest bis man gesehen hat, ob es sich international auch wirklich durchsetzt.